Von Bremen aus das Plattdeutsch retten

Bundesländer fördern Einrichtung zur Sprachenpflege

Noch ist das Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) die einzige überregional tätige Einrichtung für Plattdeutsch. Doch bald wird das Institut keine Förderungen mehr von den Bundesländern bekommen, denn diese wollen ein neues Länderzentrum für Niederdeutsch gründen.

Das INS kooperiert mit Schulen, Kindergärten, Autoren, Musikern, Vereinen und Medien- und Theaterleuten. Es sammelt alles, was auf und über Plattdeutsch oder über die Regionen, in denen die Sprache gesprochen wird, herausgegeben wird.

Jeder hat die Möglichkeit, die Bibliothek des INS zu nutzen. Allerdings können die Medien nur in der Einrichtung selber benutzt werden, wobei die Nutzung der Bibliothek kostenlos ist. Außerdem befinden sich dort zum Beispiel unveröffentlichte Bühnenmanuskripte und ein umfangreicher Zeitschriftenbestand. Die Bibliothek wird ständig ergänzt. Zusätzlich sind dort viele CDs, Videos und DVDs zu finden. Aktuell bietet die Bibliothek einen Bestand von rund 35.000 Medieneinheiten.

Die Mitarbeiter des INS begleiten laufend verschiedene Projekte, wobei der Fokus auf der Entwicklung aktueller Angebote auf Plattdeutsch liegt, damit wieder mehr Plattdeutsch gesprochen wird.

Der Sitz des Instituts für Niederdeutsch ist in Bremen. Es wurde 1973 gegründet und wurde bisher unter anderem von Beiträgen aus Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen finanziert. Allerdings läuft dieses Abkommen zum Jahresende 2017 aus und die Bundesländer wollen nicht länger für das INS zahlen. Als Gründe für ihre Entscheidung verwiesen die Geber-Länder auf den Demographischen Wandel, die sich rasch wandelnde Mediengesellschaft und die regional unterschiedlichen Bedürfnisse.

Dadurch, dass die Förderländer, die Zuwendungen streichen, ist die Existenz des INS bedroht, denn damit fallen dem Institut ab 2018 jährlich insgesamt 271.000 Euro weg. Die Mitarbeiter können so die Standardaufgaben nicht mehr im vollen Umfang durchführen. Laut des Vorsitzenden Reinhard Goltz ist derzeit unklar, ob man die Mitarbeiter weiter beschäftigen könne. Offen sei außerdem, was mit der Bibliothek geschehe.

Die Länder haben sich die Kündigung des bisherigen Abkommens mit dem INS nicht einfach gemacht. Nach langen Verhandlungen, bedingt durch zuwendungsrechtliche Probleme und rechtliche Auseinandersetzungen mit dem INS, war dieser Schritt erforderlich. Mehr konnte unsere Redaktion über den Streit, den es da offenbar gegeben hat, leider nicht in Erfahrung bringen. Auch das INS hielt sich auf Nachfrage der Redaktion bedeckt. Das INS sei als Fördernehmerin frühzeitig über die beabsichtigte Einstellung der Förderung informiert worden. Verschiedene Initiativen zum Erhalt der Förderung waren nicht erfolgreich.

Neu: Länderzentrum für Niederdeutsch

Zum 1. Januar 2018 soll es in Bremen ein Länderzentrum für Niederdeutsch geben. Dieses Koordinierungszentrum soll Plattdeutsch erhalten und fördern. Von dort aus soll der Schutz, der Erhalt und die Weiterentwicklung der niederdeutschen Sprache künftig länderübergreifend koordiniert werden. Es soll eine enge Verzahnung mit den politischen Vertretern und Vertreterinnen in Bund und Ländern sowie den Mitgliedern des Bundesrats für Niederdeutsch geben. Als Rechtsform ist eine gemeinnützige GmbH vorgesehen. Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen haben das Länderzentrum gegründet. Die jährlichen Fördergelder, die bisher das INS erhielt, sollen zukünftig an das Länderzentrum gehen. Hierfür zahlen die Bundesländer jährlich insgesamt 271.000 Euro. Als Personal sind ein/eine Geschäftsführer/in, ein/e wissenschaftliche Mitarbeiter/in und eine Mitarbeiter/in für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Bremen wird jährlich 80.000 Euro zahlen, Niedersachen wird 117.000 Euro beisteuern, Schleswig-Holstein 42.000 Euro und Hamburg 32.000 Euro.

| Text: Louisa Ahrends, Kl. 10b |

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