Das Corona-Tagebuch

Die Redaktion von ABER HALLO hat die Ereignisse rund um die Corona-Pandemie und die Einschränkungen für den Schulbetrieb zusammengetragen. Die Redaktion von aberhallo.news ergänzt diesen Artikel um immer neue Entwicklungen. Dies ist aber ein journalistischer Beitrag, aktuell gültige Auflagen etc. sind bitte der offiziellen Homepage der Schule zu entnehmen.

Die Ereignisse im Überblick:

Donnerstag, 12. März:

Erste Gerüchte kommen auf: Die Schule ist ab morgen zu! Die Internetseiten, die Schulausfall bekanntgegeben, sind schnell überlastet. Ein Radiosender prescht mit der Nachricht vor; das Kultusministerium schweigt noch.

Freitag, 13. März:

Auch wenn noch nichts offiziell ist, die Nachrichtenlage verdichtet sich. Viele Lehrer lassen am Freitagmorgen in der Klassenlehrerzeit die Schülerinnen und Schüler vorsorglich alle Bücher aus dem Fach im Klassenraum mit nach Hause nehmen.

Zu Beginn der zweiten Pause kommt die Durchsage: „Alle Lehrer, die nicht Aufsicht führen, bitte ins Lehrerzimmer“ (siehe Bild unten S. 25). Die Schulleitung informiert: Ab Montag schließt die Schule, der Unterricht wird ins Internet verlagert. Im dritten Unterrichtsblock geben die Lehrkräfte die Information an die Schülerinnen und Schüler weiter – und eine Reihe von Aufgaben auf.

Montag, 16. März:

Erster schulfreier Tag / „Corona-ferien“.  Anders als Freitag viele Lehrerinnen und Lehrer angekündigt haben, sind die Aufgaben des häuslichen Lernens (noch nicht) verpflichtend.

In der Schule ist jetzt immer nur jemand von der Schulleitung, ein paar pädagogische Mitarbeiter und Verwaltungskräfte sowie einige Lehrkräfte, die die Notbetreuung übernehmen. In der Notbetreuung sind Schülerinnen und Schüler, deren Eltern in „systemrelevanten Berufen“ sind, zum Beispiel Krankenschwestern oder Ärzte, aber auch alleinerziehende Mütter, die in Supermärkten Sonderschichten arbeiten müssen (um Klopapier nachzufüllen).

Die übrigen Lehrerinnen und Lehrer müssen übrigens auch „Hausaufgaben“ machen: schulinterne Arbeitspläne aktualisieren, Förderpläne für die Kinder schreiben und Materialsammlungen überarbeiten. Einige sind auch in der Schule, räumen den „Kartenraum“ oder die Lehrerbücherei auf, bringen Updates auf die Schülercomputer oder sortieren den total chaotischen Theaterkostümfundus. Am Ende der Woche stellt Hausmeister Hergen Brunßen fest: „So aufgeräumt war die Schule noch nie.“

Passierschein A 38

informelle Bezeichnung der Bescheinigung für Lehrkräfte

Montag, 23. März:

Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten haben gestern Kontaktbeschränkungen beschlossen. Die befürchteten Ausgangssperren kommen nicht. Unnötige Kontakte sollten vermieden werden. Zudem gibt es für bestimmte Gebiete Reise– und Aufenthaltsbeschränkungen. Jetzt sollen möglichst auch alle Lehrkräfte zu Hause bleiben.

Damit die Lehrkräfte, die in der Kindernotbetreuung arbeiten, trotzdem zur Schule kommen können, bekommen sie von der Schulleitung eine Bescheinigung im Falle von Ausgangsbeschränkungen – ein Brief mit Unterschrift der Schulleitung und Siegel der Schule. Diesen sperrigen Titel hat die Schulleitung für den Schulalltag abgekürzt mit „Passierschein A 38“ – eine Anspielung auf einen Band der „Asterix“-Comic– und Filmreihe.

Im „Lockdown“ zur Eindämmung der Virenausbreitung müssen möglichst alle Menschen in ihrem Zuhause bleiben. Viele Gruppen im Internet erstellen Bildcollagen und wollen so dazu aufrufen, die Regeln einzuhalten. Auch einige Lehrerinnen und Lehrer der Schule erstellen so eine Collage und stellen sie ins Internet und in soziale Medien.

Dienstag, 24. März:

Heute wären eigentliche mündliche Abschlussprüfungen in Englisch für die Zehntklässler. Der Prüfungstermin ist verschoben. Später steht auch fest: Die schriftlichen Abschlussprüfungen werden ebenfalls verschoben.

Klassenfahrten müssen abgesagt werden

Es stellt sich heraus: Nicht nur die Abschlussprüfungen sind vom Corona-Virus bedroht. Es entfallen auch eine ganze Menge Veranstaltungen: Am schmerzlichsten empfunden wird das Verbot von Klassenfahrten. Die Fünftklässler dürfen nicht ins Blockhaus Ahlhorn fahren, den Zehntklässlern wird die Bildungsfahrt – umgangssprachlich auch gerne Abschlussfahrt – gestrichen. Die Klassenfahrt in das vom Corona-Virus besonders betroffene Italien musste bereits am 12. März storniert werden, jetzt gilt das Reiseverbot auch für alle anderen Ziele.

Für alle Jahrgänge entfallen größere und kleine Veranstaltungen, etwa die „Infotage Betrieb & Beruf“ der 9. Klassen, die Aufführung von „Romeo & Julia“ von der Musical-AG muss abgesagt werden und die Projektwoche zum Thema „Zukunft“ entfällt für alle Jahrgänge.

Freitag, 27. März:

Der „letzte Schultag“ vor den Osterferien geht fast spurlos an Schülern und Lehrern vorüber. Die Schulleitung verabschiedet sich in die Ferien – es gibt nur eine Notbesetzung. Kinder könnten auch in den Ferien in die Notbetreuung gehen, allerdings machen die Eltern der Kinder der OBS 1 Nordenham davon keinen Gebrauch. Die Lehrerinnen und Lehrer haben tageweise Notdienst in der Schule.

Mittwoch, 15. April:

So ein kurzes Schuljahr hatten wohl zuletzt unsere Großeltern. Jedenfalls erinnerten sich einige daran, dass früher (bis in die 1960er Jahre) an Ostern das Schuljahr endete. Bis zu diesem 15. April mussten die Lehrerinnen und Lehrer in diesem Jahr eine Schuljahresnote ermitteln und ins Zeugnisprogramm eintragen. Eigentlich wäre heute der erste Tag nach den Osterferien gewesen. Ob es dieses Schuljahr noch einmal „normalen“ Unterricht gibt? Die Osterferien werden zunächst um drei Tage „coronafrei“ verlängert, und auch nach dem nächsten Wochenende kommt noch kein Schüler wieder zur Schule:

„Keine. Nada. Null.“

Frau Pasel über Nachmittagsangebote

Sonntag, 19. April:

(Ja, auch sonntags arbeiten Lehrer*innen!) Frau Pasel ist zuständig für das Nachmittagsangebot an der OBS 1. Sie entnimmt der neuen Verfügung der Landesregierung die Anweisung, dass Arbeitsgemeinschaften nicht mehr stattfinden können. Zitat: „Es finden bis auf Weiteres KEINE AGs mehr statt. Keine. Nada. Null. Egal welchen Inhalts – ob Singen, Tanzen, Kochen, Stricken oder Klatschen – gor nix.“

Mittwoch, 22. April:

Nachdem vor den Osterferien das „Lernen zu Hause“ quasi freiwillig war, wird es jetzt vom Kultusministerium für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Die Lehrerinnen und Lehrer der OBS 1 Nordenham erstellen Wochenpläne. Die Jahrgangsleiter kontrollieren, ob alle Fächer des Stundenplans vertreten sind und achten darauf, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zu viele Aufgaben bekommen.

Kontakt über Messanger und Videokonferenz

Die Schulgemeinschaft entdeckt zwei neue Tools im Online-System der Schule, IServ: den Messanger und die Videokonferenz. Klassenlehrer sollen einmal die Woche Kontakt mit ihren Schüler*innen haben. Viele machen dies über diese beiden Funktionen. Auch Lehrerkonferenzen finden nicht mehr in der Schule statt: Alle schalten sich von zu Hause in die Videokonferenz ein.

Montag, 27. April:

Sie sind wieder da: Die ersten Schülerinnen und Schüler kommen zur Schule. Aber nur die Zehntklässler und diejenigen aus Jahrgang 9, die die Hauptschulprüfung machen. Damit nicht so viele Schüler auf einmal in die Schule kommen, kommen tageweise die Klassen 9a und 9d bzw. 9b und 9c. Manche „Klasse“ besteht nur aus sechs Schülerinnen und Schülern. Die Klassen des zehnten Jahrgangs werden jeweils halbiert, jeden Tag kommt nur eine Gruppe der Klasse.

An diesem ersten „Schultag“ gibt es auch nur 90 Minuten Sicherheitseinweisungen: die „Corona-Regeln“ werden besprochen und Hygienevorschriften erläutert. Außerdem gibt es Hinweise zum neuen Stundenplan. Unterrichtet wird nur für die Prüfungsvorbereitung: Deutsch und Mathe und in 10 zusätzlich Englisch. Für die Neuner gibt es einen zusätzlichen Block Prüfungsvorbereitung. Die Kurse sind aufgelöst. Jede Lerngruppe hat jetzt eine feste Fachlehrkraft und keine Kurslehrkraft mehr.

Der normale Stundenplanrhythmus entfällt: Der Unterricht beginnt um 7.30 Uhr, ein Block dauert 90 Minuten. Zwischendurch gibt es Pausen von jeweils 30 Minuten. Unterrichtsschluss ist um 13 Uhr.

Montag, 18. Mai:

Heute kommen auch die „anderen“ Neuntklässler zurück in die Schule – also auch diejenigen, die nächstes Schuljahr den Realschulabschluss machen. Da weiterhin nur wenige Schülerinnen und Schüler in einen Klassenraum dürfen, werden nun die Klassen geteilt.

Unterrichtet wird nur im Klassenverband, es gibt keine Aufteilung in G– und E-Kurse. Auch Wahlpflichtunterricht findet nicht mehr statt. Jegliche „Mischung von Lerngruppen soll unterbleiben. Die Lerngruppen haben jeweils einen „Stammraum“ – die größten Klassenräume der Schule werden genutzt mit möglichst wenig Tischen im Raum. Die Fachräume dürfen nicht genutzt werden. Auch der Sport– und Schwimmunterricht findet nicht mehr statt.

Mittwoch, 20. Mai:

Abschlussprüfung! Die Deutschkurse wurden halbiert, die „Risikoschüler“ mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Bluthochdruck haben jeweils einen eigenen Prüfungsraum mit jeweils einem eigenen Prüfungslehrer zur Aufsicht. Gleiches passiert in der Englischprüfung am 26. Mai (nur die Zehntklässler) und für die Matheprüfung am 28. Mai.

Mittwoch, 3. Juni:

Die Rückkehr der Massen: Die „großen“ Jahrgänge 7 und 8 mit vielen Schülerinnen und mit Schülern kommen zurück in die Schule – auch diese Klassen werden halbiert.

Der Unterricht findet nach „normalem“ Stundenplan statt, die Klassenlehrerzeit entfällt allerdings und die Unterrichtsblöcke sind 90 Minuten lang. Jede Schülergruppe soll möglichst wochenweise zur Schule kommen – in der jeweils anderen Woche haben die Schülerinnen und Schüler „Lernen zu Hause“.

Um die Lerngruppen in den Pausen nicht zu mischen, malt Herr Roblick nummerierte „Bereiche“ mit Kreide auf den Schulhof; jede Lerngruppe hat einen eigenen Bereich, in dem sie sich jetzt stehend oder sitzend mit Mindestabstand aufhalten dürfen.

Freitag, 5. Juni:

Bis zu den Sommerferien sind es noch sechs Wochen. Doch für die Zehntklässler ist heute der letzte Unterrichtstag. Sie müssen nur noch zweimal zur Schule kommen: zur mündlichen Abschlussprüfung (die mittlerweile auch nicht mehr verpflichtend, sondern optional geworden ist), und zur Übergabe des Zeugnisses.

Abschluss mit Abstand: Die HS-Abschlussschüler 2020
konnten nur im kleinen Rahmen feiern.

Da keine Schulveranstaltungen stattfinden dürfen, entfallen in diesem Jahr alle Abschiedsfeiern: keine Mottowoche, kein Abschlussgottesdienst, kein Schulball. Wie der „Corona-Schulabschluss“ verlief, werden wir in der nächsten Ausgabe der ABER HALLO berichten.

Donnerstag, 11. Juni:

Heute ist für die Schülerinnen und Schüler, die nach Klasse 9 mit dem Hauptschulabschluss die Schule verlassen, der letzte Unterrichtstag.

Montag, 15. Juni:

Als letzte Schülergruppe kehren die Fünft– und Sechstklässler in die Schule zurück.

Donnerstag, 2. Juli:

Die Verabschiedungsfeier der Zehntklässler kann nun doch mit Eltern stattfinden. Die Schülerinnen und Schüler feiern ihren Schulabschluss mit einem Picknick auf dem Kunstrasenplatz am Plaatweg. Mehr dazu im Bericht von aberhallo.news HIER.

14. & 15. Juli:

Die Schuljahreszeugnisse werden versetzt ausgegeben, da die Klassen bis zum letzten Tag geteilt waren. Eine schülergruppe bekommt die Zeugnisse am Dienstag, 14. Juli, im 3. Block, die andere Gruppe am Mittwoch, 15. Juli, im 2. Block.

Donnerstag, 27. August:

Das Schuljahr startet neu: Jetzt gilt „Szenario A: Eingeschränkter Regelbetrieb“. Eigentlich ist alles normal: Alle Schüler*innen einer Klasse kommen zum Unterricht und werden im Klassenraum gemeinsam unterrichtet. Jedoch gilt auf den Fluren und dem Schulhof eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Auch die Lehrer tragen eine Maske, sofern sie sich Schüler mehr als 1,5 Metern nähern.

Die Pausen verbringen die Schüler*innen getrennt nach Jahrgängen auf den Schulhöfen (7 und 8 Hafenschule, 5 und 6 großer Hof, 9 Mensa, 10 Cafeteria). Sie bilden „Kohorten“ und dürfen sich nicht vermischen.

Freitag, 6. November:

Der Inzidenzwert der Neuansteckungen (gerechnet im Schnitt der letzten 7 Tage auf 100.000 Einwohner) ist nun in der Wesermarsch auch über 50 gestiegen, damit gilt: Auch im Unterricht müssen alle (Schüler*innen und Lehrer*innen) ab kommenden Montag (= nächster Unterrichtstag) eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Donnerstag, 12. November:

Heute ein Tag ohne Maske. Aber schon mittags ist klar: Der geringe Inzidenzwert ist wohl nur aufgrund eines Übermittlungsfehlers entstanden. Schon morgen gilt wieder die generelle Tragepflicht, auch im Unterricht.

Freitag, 20. November:

Der erste Fall einer Corona-Infektion einer Person in Jahrgang 8 ist bekannt geworden. Da im Sportunterricht die Abstandsregeln nicht immer eingehalten werden konnten und keine Masken getragen werden müssen, wird die ganze Klasse vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt, inkl. Sportlehrerin. Auch Schüler*innen, die in Kursen neben der betroffenen Person

Mittwoch, 25. November:

Der zweite Corona-Fall betrifft eine Klasse aus Jahrgang 10. Da auch hier Sportunterricht stattfand, wird wieder fast die ganze Klasse in Quarantäne geschickt. Da das Testergebnis erst am späten Nachmittag kam, werden abends noch die Eltern der Schüler angerufen. Für den 26. November ist vorsorglich „Lernen zu Hause“ angeordnet, im Laufe des 26. November ergehen die Quarantäne-Anordnungen an die Schüler.

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