Am 29. November 2017 war der zehnte Jahrgang in der Aufführung von „Nathan der Weise“ von G.E. Lessing.  Die Meinungen über die Inszenierung sind sehr gespalten. Wir baten drei Mitschüler um ihre Kritiken.

 

Mijoscha Ney:

Wir besuchten mit dem 10. Jahrgang der Oberschule 1 Nordenham das Theaterstück „Nathan der Weise“ in der Friedeburg Nordenham. Ich erwartete ein typisches Theaterstück, welches man aus der Schule kennt: Die Schauspieler sind verkleidet, im Hintergrund stehen Requisiten und sie fangen sofort an, das Stück zu spielen.

Doch dieses Stück fing anders an. Alle Schauspieler saßen auf Stühlen in einer Reihe und fingen an, die erste Szene zu sprechen, doch ohne sich anzusehen, sie schauten einfach stumpf ins Publikum. Es kam mir vor wie eine auswendig gelernte Buchvorlesung. Doch schon in der zweiten Szene begannen sie das spektakuläre Bühnenbild zu nutzen. Dies war eine Drehbühne und von innen wurde eine Seite mit einem Beamer belichtet. Durch die Drehung, die Beleuchtung und die Musik wurden die Szenenumbauten und Umziehpausen zu etwas Spektakulärem.

Dies war meiner Meinung nach ein besonders gelungenes Element der Inszenierung, da solch eine Pause normalerweise die Aufmerksamkeit unterbricht. Die Szene, bei der Nathan zu Saladin gerufen wird, gefiel mir sehr. Der Druck, den der Sultan auf Nathan ausübte, kam sehr echt rüber. Als Nathan ihm die für sich richtige Religion nennen sollte und er unter Druck gerät, fängt er an, in einem inneren Monolog zum Publikum zu sprechen. Das gefiel mir sehr gut. Dabei habe ich mich irgendwie angesprochen gefühlt. Der Schauspieler, der den Nathan spielte, war sehr überzeugend, da er durch sein Alter und Aussehen eine gewisse Reife ausstrahlte, die gut zu dem weisen Nathan passte. Seine Intonation vermittelte eine Sicherheit, die er hatte, und wenn er alleine zum Publikum sprach, hatte seine Stimme etwas Angenehmes und Beruhigendes. Insgesamt fand ich das Stück gut umgesetzt, doch es kommt einem sehr lang vor, sodass die Aufmerksamkeit von Szene zu Szene sank. Es war auch nicht immer alles zu erkennen und bei manchen Szenen war nicht zu erkennen, was das Bühnenbild darstellen sollte. Alles in allem war das Theaterstück gut, doch nichts für meinen Geschmack. Ich bevorzuge eher Kinobesuche, weil dort das Geschehen von Grund auf besser  zu erkennen ist, da dort direkt in der passenden Umgebung gespielt wird und durch die Zusammenschnitte keine Unterbrechung der Handlung entsteht. Es kommt einem so vor, als würde man das „originale“ Geschehen von Außen betrachten und nicht nur etwas nachgestelltes sehen.

 

Roia Saidi:

„Ich muss sagen, ich habe mir vom Optischen her etwas anderes von der Aufführung vorgestellt. Ich habe mir eine normale Bühne mit Requisiten und Hintergrund vorgestellt, aber durch die Anwendung von Videos und dem ständigen Wechsel war es sehr abwechslungsreich und fesselnd. Ich finde, dass die Aufführung ganz in Ordnung war, obwohl man beachten muss, dass Leute, die auf dem Balkon sitzen, nicht alles so gut verstehen können, wie die, die vorne sitzen.

Zwischendurch hat man auch schnell den Faden verloren, was unter anderem auch an den ständigen Wechseln liegt. Ich persönlich finde die Szene mit dem Vater und den drei Söhnen am besten, da sich die Schauspieler von der Bühne abgewandt haben und sich praktisch neben die Zuschauer stellten. Es kamen aber auch Fragen auf, die man im Stück nicht wirklich verstanden hat, wie zum Beispiel den Zusammenhang einiger Videoclips mit dem eigentlichen Thema des Stücks. Für mich haben Nathan aber auch der Sultan sehr überzeugend gespielt, denn zum einen hat mich ihre standhafte Körperhaltung beeindruckt und zum anderen ihr Schauspielerisches Talent. Ich denke, dass ich mich vor meinem nächsten Theaterbesuch entweder noch mehr mit dem Stück beschäftige oder in ein Stück gehe, welches man einfacher verstehen kann.

 

Tim Maake:

Ich war anfangs nicht wirklich motiviert zu dem Theaterstück zu gehen und habe wirklich nicht viel erwartet. Die einzige Vorfreude, die ich hatte, war das Treffen mit meinen Klassenkameraden und ich wurde trotzdem zutiefst enttäuscht. Es war die erste Aufführung in meinem Leben, die ich mit einem wirklich miesen Gefühl verließ. Die Aufführung hat mir überhaupt nicht gefallen.

Das Schauspiel, die Charaktere und die Szenerie waren wirklich lobenswert, nicht so die Szenenübergänge, welche Aufnahmen von Hisbollah-Mitgliedern, Bin Laden, Trump, Buschs Kriegserklärung und dem 11. September zeigte. Alle mit urbaner, schneller Musik unterlegt. Dieser Teil der Aufführung hat mich auf höchstem Level verärgert und nachdenklich gemacht. Ich frage mich, ob die Person oder das Team, welches für diese Übergänge verantwortlich ist, im Klaren darüber ist, um was es sich bei diesen Aufnahmen handelt. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen diese Szenen bis aufs Böseste ausgenutzt haben, um dem Stück mehr Drama zu verleihen.

Liebend gern würde ich mit den Machern dieser Szenen sprechen, um sie zu fragen, ob sie wissen, was das ist, welche Folgen es hatte und warum sie diese Aufnahmen genutzt haben. Meiner Meinung nach ist das, was die Verantwortlichen da abgezogen haben, ein absolutes NoGo, da diese Aufnahmen zum Beispiel die des wahrscheinlich verheerendste und einschneidensten Terroranschlag dieses Jahrhunderts, dem 11. September, nichts in einem Theaterstück solcher Art verloren haben. Erst Recht nicht so, wie sie eingebaut wurden. Ich hätte die Aufführung verlassen, wenn ich Aufnahmen des ISAF-Einsatzes oder sonstiges gesehen hätte.

Elemente, welche mit gut gefallen haben, sind wie gesagt das Schauspiel oder der Szenenwechsel beziehungsweise die Szenenvielfalt. Mir gefiel die letzte Szene am Besten, da sich in dieser, gerade im Vergleich zu vorherigen Szenen, viel bewegt wurde und es in dieser Szene allgemein mehr Interaktion gab, denn die Schauspieler gingen auch von der Bühne und verteilten sich im Saal. Der Sultan gefiel mir mit Abstand am besten, da er seine Rolle am besten verkörperte und vor nichts scheute.

Ich lasse mich nicht von Theaterstücken abschrecken, da es sicherlich nicht viele Stücke schaffen ihr Potential so unglaublich zu verschenken.

 

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